General Probe

Ein berüchtigter Geselle ist er, der General, 

einige Mythen halten sich hartnäckig in den Proberäumen der Welt, wie z.B. die vielbemühte Aussage, das eine desaströse Generalprobe einen fabulösen Auftritt bescheren soll. Natürlich wird hier die eigene Aufregung, die nackte Panik, heruntergespielt und darauf gehofft, dass alles im richtigen Moment dann einfach klappen soll. In der Realität endet das dann meistens mit wüsten Beschimpfungen im Backstageraum oder es folgt die Nachricht, dass man sich ‚einvernehmlich‘ (muahaha) im Hinblick auf künstlerische Differenzen voneinander trennen musste. Es ist halt beileibe nicht damit getan, das jeder Beteiligte seine Parts beherrscht und die auf Knopfdruck abrufen kann, auch wenn er gerade aus dem Schlaf gerissen wird und die Pistole an die Schläfe gehalten bekommt. Die Stops müssen sitzen, oft genug werden in der letzten Probe nochmal die Grooves überdacht und dann muss das komplette dynamische Zusammenspiel sitzen, die Disziplin in den Soloparts stimmen etc etc etc …

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Es hat einen entscheidenden Vorteil gut mit seinen Kollegen eingespielt zu sein, einige werden mir zustimmen wenn ich behaupte, genug Erfahrung vorausgesetzt, das es eine Art blindes Verständnis zwischen Musikern geben kann, die das Zusammenspiel gerade in Jam-Bands und anderen wilden Formationen erheblich erleichtern, und es sogar erlauben können, den Probeaufwand auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Es bleibt ein Spiel mit hohem Einsatz 🙂 Bedingt durch die räumliche Distanz ist Jimmy Dekker sogar darauf angewiesen genau so zu funktionieren. Versteht mich nicht falsch, da wird extrem viel im stillen Kämmerlein vorgearbeitet, die gemeinsame Erfahrung ermöglicht es dann auch in einer Probe Nägel mit Köpfen zu machen. Ein weiterer Punkt ist, dass wir uns nicht zerreißen wenn etwas nicht spontan funktioniert, dann ist der nächste Song dran und es wird nochmal ins Kämmerlein gegangen.

reddy teddy

Nun stand gestern eine dieser nebulösen Generalproben an, nach denen es kein zurück mehr gibt. Mein Tag fing klassischer Weise damit an, dass ich übel verschlafen habe. Also schnell den Kaffee vom Vortag aufgebrüht, Brötchen, Kippe, Sachen schnappen und los. An der Haltestelle merke ich, dass ich mein Zugticket vergessen habe, also wieder zurück und von vorne das Ganze. Am Ostbahnhof angekommen erinnern mich Schilder und leer gefegte Bahnhöfe an die ständige Baustelle Berlin und die katastrophalen Verbindungseinbußen am Wochenende. Ich also kurz vor der Angst wieder in die S-Bahn gesprungen und bis zum Zool. Garten gejettet, dort dann im Laufschritt noch während der Abfahrtsansage in den Zug gesprungen. … Der Proberaum entpuppte sich als ‚mäßig‘ geräumig, der Gitarrenamp überdimensioniert und die Probe war chaotisch, kurze Abläufe, alles mal durchspielen und siehe da, neben einigen astreinen Durchläufen füllt sich auch ganz normal die Liste der Fragezeichen und eigentlich ist die gesammte Ausführung des Sets eine mittlere Katastrophe. Ablaufprobe halt.

Dann Irgendwann der Break, die Hälfte der Leute geht und im Kern der Besetzung wird sich nun der Fragezeichen-Liste gewidmet. Aber etwas ist anders, die Lautstärke gedrosselt, der Amp wurde endlich beherrscht, wie ein heißes Messer durch Butter spielen wir uns durch die Setlist und alles funktioniert einfach wie’s Semmeln schmieren.  Nachdem die letzten organisatorischen Probleme auch geklärt sind wird die Probe erleichtert und zufrieden aufgelöst und es bleibt die spannende Erwartung eines ganzen Tages voller Musik und Lebensfreude für Groß und Klein. Jimmy ist sowas von bereit 😉

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